Hundeosteopathie – was ist das?
Die Osteopathie betrachtet den Organismus in seiner Ganzheit als
Funktionseinheit. Diese Funktionseinheit wahrzunehmen, ihre Beweglichkeit und
Harmonie zu unterstützen oder diese wieder herzustellen und damit die
Selbstheilungsmechanismen anzuregen ist die Aufgabe der osteopathisch
therapierenden Person.
Es handelt sich dabei um eine „manuelle" – Therapieform, der Therapeut arbeitet
überwiegend mit seinen Händen, der Tastsinn spielt dabei eine wesentliche Rolle.
Der (Hunde-)osteopath behandelt keine Krankheiten, sondern er verhilft dem
Körper zu mehr Bewegungsspielraum indem er an Gelenken und Organen
Bewegungseinschränkungen beseitigt.
Hundephysiotherapeutische Massnahmen können die osteopathische Behandlung
optimal unterstützen und ergänzen.
Bewegung heisst Leben - Leben ist Bewegung!!!
Lasst die Hunde sich bewegen, denn sie wollen leben J
Grundsätzlich stützt sich die Osteopathie auf folgende
Prinzipien:
- Ganzheitlichkeit
bedeutet, den Körper eines Individuums nicht in
einzelne Organbestandteile zu zerlegen, d.h. der ganze Körper wird in die
Therapie einbezogen, nicht nur das „offensichtlich erkrankte Teilstück".
- Die Form folgt der Funktion und umgekehrt.
Als einfaches Beispiel:
jedes Gelenk hat eine bestimmte Form, diese Gelenkform bestimmt auch die
Funktion.
- Aktivierung der Selbstheilungskräfte
: Jeder Körper ist in der Lage,
eine gewisse Zeit sogenannte Kompensationsmechanismen aufrecht zu erhalten.
Wird die Anpassungsfähigkeit überschritten, kommt es zu Schmerzen/Krankheit.
Die Osteopathie setzt dann neue Impulse, indem Fehlspannungen gelöst und
Bewegungseinschränkungen behandelt werden. Der Körper kann (wieder)
Selbstheilungskräfte aktivieren.
In der Osteopathie werden drei Systeme unterschieden,
welche aber untereinander mit dem Fasziensystem (Bindegewebe) eng verbunden
sind:
- Das parietale System à es betrifft den
Bewegungsapparat und das Stützsystem mit all seinen Knochen,
Gelenken, Muskeln, Sehnen, Bändern und Nerven. (Die Wirbelsäule mit ihren
vielen kleinen Facettengelenken und den Austrittslöchern der Nerven zwischen
den einzelnen Wirbeln nimmt einen besonderen Stellenwert ein.)
- Das cranio-sacrale System à dieses
System umfasst den Schädel (Cranium) und das Kreuzbein (Sacrum).
Darüber hinaus können den Hirn- und Rückenmarkshäuten spezielle
Aufgaben zugeordnet werden, sie sind z.T. für die Verbindung dieser zwei
weitauseinander liegenden knöchernen Strukturen verantwortlich. Der
„Antriebsmotor" für das cranio-sacrale System ist die Produktion und der
Abfluss des Liquor cerebrospinalis (Flüssigkeit, welche das Hirn und
Rückenmark umspült und ihnen Schutz bietet)
- Das viscerale System à die inneren
Organe werden ebenfalls auf ihre Beweglichkeit untersucht und
gegebenenfalls unterstützt. Wie bei den Knochen entstehen bei den
Berührungspunkten der einzelnen Organe untereinander „Gelenkflächen". Diese
Verschiebbarkeit ist wichtig für eine optimale Organfunktion und weil bei
jedem Atemzug die Eingeweide bewegt werden. (Beim Hund wird eine Auswahl der
Bauchorgane mobilisiert.)
Ziel der hundeosteopathischen
Behandlung ist, mit überwiegend sanften, manuellen Techniken die
physiologische Gelenkbeweglichkeit und die Mobilität der inneren
Organe wieder herzustellen, Muskel- und Faszienspannungen zu normalisieren,
die Durchblutung zu verbessern und den cranio-sacralen Rhythmus zu
harmonisieren.
Hundeosteopathie – wann wird sie angewandt?
Hundeosteopathie kann
bei jedem Hund mit Bewegungseinschränkungen angewandt werden. Ebenfalls eignet
sie sich auch bei Arbeits- und Sporthunden als prophylaktische Massnahme zur
Gesund- und Leistungserhaltung. Fehlspannungen können in ihren Anfangsstadien
erkannt und behoben werden, unter Umständen bevor grössere
Kompensationsmechanismen eingreifen.
Da die Hundeosteopathie das ganzheitliche System des Organismus betrifft sind
die Beschwerden/Auffälligkeiten vielfältig und auch nicht abschliessend
aufgelistet, für die eine Behandlung spricht:
- Spontane Verhaltensauffälligkeiten (wie z. B. Angst, Aggression)
- Lahmheit, schonen oder hinken
- Passgang
- allgemeine Steifheit
- auffällig häufiges Wälzen
- Bewegungsunlust
- Aufgewölbter Rücken
- Durchhängender Rücken
- Muskelschwund
- Kalte oder schweissige Pfoten
- Heiserkeit (Husten)
- Konzentrationsstörungen
- Schmerzen
- hormonelle Störungen
- Stirn- und Nebenhöhlenentzündungen
- Narben
- Gleichgewichtsstörungen
- Kopfschmerzen
- Neurologische Erkrankungen
- Stress
- Chronische Müdigkeit
Eine osteopathische Behandlung ersetzt nicht den
Tierarztbesuch.